New York (BoerseGo.de) – Die privaten Gläubiger Griechenlands werden nach ihrer Ankündigung am Mittwoch zu Verhandlungen nach Athen zurückkehren. Ist eine Insolvenz Griechenlands bereits eingepreist? Dies klingt nach einer schockierenden Frage, sie sollte aber gestellt werden. „Mit Insolvenz meine ich eine ungeordnete Insolvenz, zu der es außerhalb der jetzt verhandelten Bedingungen kommt“, so der renommierte NYSE-Reporter Bob Pisani. Letzte Woche hatte ich spekuliert, dass die Herabstufung von Frankreichs Kreditwürdigkeit um eine Stufe wahrscheinlich bereits in den Markt eingepreist sei, während dies bei einer Herabstufung um zwei Stufen wahrscheinlich nicht vollständig der Fall sei. Tatsächlich ist es zu einer Herabstufung Frankreichs um eine Stufe gekommen – und tatsächlich gehen die Märkte nach oben, so dass diese Abstufung allem Anschein nach eingepreist war. Die These, dass eine Insolvenz Griechenlands bereits weitgehend im Markt ihren Niederschlag gefunden habe, beruht auf der Idee, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Bankverluste irgendwie abfedern wird.
Ein weiteres Argument dafür, dass eine Einpreisung bereits stattgefunden hat, lautet: Jedermann glaubt an eine bevorstehende Insolvenz, und trotzdem sind wir nicht auseinandergefallen. Es sieht so aus, als hätten die Märkte zu einer Art von Akzeptanz gefunden – seit Wochen haben sich keine Tatsachen geändert und trotzdem stehen wir immer noch an“, so ein Händler. Dies ist das alte Argument, dass es noch keinen Abrutsch gegeben habe. „Wir sind nicht zurückgefallen, das Risiko liegt hinter uns“, so der Händler weiter. Pisani’s Standpunkt lautet: Ich glaube nicht, dass eine Insolvenz Griechenlands annähernd vollständig eingepreist ist. 1.) Einstufungen der Ratingagenturen haben weitaus weniger Gewicht als eine Staatsinsolvenz 2.) Bei einer Insolvenz steht die EZB vor einem Kapitalverlust und ich glaube nicht, dass dies bereits eingepreist ist 3.) Die Kettenreaktionen sind noch zu weitgehend unbekannt, um solches Vertrauen zu haben.


